Einzelschicksale
Winfried Krüger
Winfried Krüger wurde am 13.09.1923 in Stremmen bei Beeskow geboren. Nachdem er
im Jahr 1942 sein Abitur absolviert hatte, meldete er sich aufgrund der
Militärkarriere seines Vaters und der nationalsozialistischen Einstellung der
Familie freiwillig zum Wehrmachtsdienst in Potsdam. Im Jahr 1944 wurde er dann
schließlich zum Leutnant befördert. 1942 wurde Winfried Krüger in Belgien/
Nordfrankreich und Dänemark stationiert. Es folgten bis 1945 erste
Kriegseinsätze in der damaligen Sowjetunion (wobei er von einem Granatsplitter
schwer verwundet wurde) und im Baltikum. Nach der gescheiterten Ardennen-
Offensive, an der er ebenfalls teilnahm, begab er sich im Februar desselben
Jahres freiwillig in eine einjährige amerikanische Kriegsgefangenschaft in
Attichy/ Nordfrankreich, später in Bad Kreuznach. Anfang Februar 1946 wurde
Winfried Krüger aus der Kriegsgefangenschaft in die sowjetische Besatzungszone
entlassen, da er in seine Heimat zurückkehren wollte. An der Demarkationslinie
wurden ihm jedoch seine Entlassungspapiere von sowjetischen Soldaten abgenommen
und er geriet überraschend in erneute Kriegsgefangenschaft. Über Erfurt wurde er
dann in das Speziallager Nr.7 nach Sachsenhausen gebracht. Krüger berichtete,
dass Langeweile dort Alltag war, weil es noch keine Arbeitseinsätze gab. Viele
Häftlinge versuchten die Langeweile mit Schachspielen zu überbrücken, da dies
von der Lagerverwaltung geduldet wurde. Zwischen den einzelnen Baracken fanden
sogar Schachturniere statt. Da die Lebensmittelrationen sehr knapp waren,
entstand unter den Inhaftierten, sowie mit den sowjetischen Soldaten, ein reger
Tauschhandel. Unter anderem wurden Zigaretten gegen Essbares eingetauscht. Im
Juli 1946 wurde Winfried Krüger auf einer 21-tägigen Reise in einem Viehwaggon
über Frankfurt/Oder in ein Arbeitslager in der Sowjetunion gebracht. Dort
arbeitete er im Strassen- und Häuserbau, sowie bei Ernten. Da auch hier
katastrophale Bedingungen vorherrschten, erkrankte Winfried Krüger und kehrte am
19. Juli 1947 mit dem ersten Rücktransport nach Deutschland zurück. Er
erlernte von 1947 bis 1949 den Beruf des Maurers und studierte dann bis 1952 an
den Vereinigten Bauschulen Ingenieurwesen. Ab 1952 war er in der
Industrieplanung tätig, unter anderem als Abteilungsleiter und zeitweilig als
stellvertretender Direktor in der VEB Industrieprojektierung Berlin. Später
arbeitete er im Bau- und Montagekombinat Kohle und Energie und unternahm mehrere
Reisen in die Sowjetunion.
Noch heute ist er an der Aufarbeitung von
Informationen zum Speziallager Nr.7 Sachsenhausen beteiligt und leistet als
Zeitzeuge Beiträge von großer Bedeutung.
Ein 45-minütiges Video mit dem Titel "Winfried Krüger - Ein Zeitzeuge spricht" über die Zeitzeugenbefragung mit Winfried Krüger steht
ebenfalls zur Verfügung.
Kopien auf VHS-Videokassette oder DVD sind gegen einen geringen Unkostenbeitrag erhältlich - Anfragen hierzu bitte per E-Mail an: speziallager [ at ] thomas-ney [ . ]com*
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Die Greußener Jungs
Kurz nach Ende des 2.Weltkrieges drangen
alliierte Truppen in ganz Deutschland vor. In vielen Orten gerieten deutsche
Soldaten in Gefangenschaft der Alliierten und ihr Schicksal blieb zunächst im Ungewissen. Neben den Soldaten wurden auch zahlreiche
Zivilisten ohne Urteil und willkürlich inhaftiert. Oft existierten Gerüchte
über geheime Organisationen, die angeblich ein nationalsozialistisches
Deutschland ganz nach Vorbild Hitlers wieder errichten wollten. Eine dieser
Organisationen sollte die Gruppe "Hitlers Werwölfe" sein. Vielen Unschuldigen wurde
diese Bezeichnung zum Verhängnis - so auch den "Greußener Jungs":
Greußen ist
eine Kleinstadt in Thüringen, die nach Kriegsende zunächst durch die Amerikaner besetzt und im Dezember 1945 an die sowjetischen Truppen übergeben wurde.
Am 17.1.1946 wird Hans Götze einen Tag vor seinem 15. Geburtstag von deutschen Hilfspolizisten, die von KPD- Mitgliedern einen
"Geheimtipp" erhielten, festgenommen und zum Rathaus von Greußen gebracht. Dort wurde er
nachts von sowjetischen Offizieren und Angestellten des NKWD verhört und später
in das Gefängnis von Sondershausen, einer Stadt im Norden von Greußen, gebracht.
Hier fanden weitere Verhöre statt. Kurt Weiß, der ebenfalls aus
Greußen stammt und denselben Anschuldigungen unterlag, berichtet folgendes über
die Verhöre: "Die meiste Zeit habe ich am Boden gelegen und die [sowjetischen
Offiziere] haben auf mich eingedroschen und immer wieder gerufen: 'Du lugen'.
Sie sagten nicht ,Du lügen', sondern ,Du lugen'. 'Schto prawda, schto prawda' - was
ist die Wahrheit, wollten sie von mir wissen. In der dritten Nacht bin ich schon
nicht mehr in der Lage gewesen, irgendwie zu denken. Ich habe einfach nur
gedacht: Es muss ein Ende haben. Ich sollte sagen: Ich bin ein Werwolf. Und dann
hab ich einfach unterschrieben, weil ich einfach meine Ruhe haben
wollte."
Wie Kurt Weiß wurden viele der Jugendlichen erpresst eine Tat
zuzugeben, für die sie nie die Verantwortung trugen. Weiß berichtet weiterhin,
dass er nicht viel gefragt wurde. Es ging allein um die Frage, ob er ein
"Werwolf" sei. Viele unterschrieben aber auch, da sie sahen, in welcher Form
Mithäftlinge von den sowjetischen Offizieren behandelt wurden. So auch Hans
Götze, in dessen Zelle ein 45-50 Jahre alter Häftling mit eingewiesen wurde und
von den Offizieren innerhalb von 14 Tagen bei den Verhören zu Tode geschlagen
wurde. Aus Angst vor solch ähnlichen Verhören unterschrieb nun auch er die
Aussage, dass er ein "Werwolf" sei.
Nach den Verhören fand ein
Gerichtsprozess statt, der durch das sowjetische Militärtribunal (SMT) geleitet
und von Zeugenaussagen Greußener Bürger gestützt wurde. Alle der
"Greußener Jungs" widerriefen die Behauptung "Werwölfe Hitlers" zu sein. Dennoch
wurden sie zu 15 Jahren Haft verurteilt, einer von ihnen sogar zum Tode.
Viele der Verurteilten versuchten nun
Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen, die vom Schicksal ihrer Kinder noch nichts erfahren
hatten. Dies geschah dann auch mit Hilfe von Luftzeichen in Form von Druckbuchstaben.
Im November 1946 wurde Hans Götze zusammen mit vielen
anderen Häftlingen in das Speziallager Nr.7 nach Sachsenhausen gebracht. Die
Überlebensbedingungen in diesem Lager waren katastrophal: So bekam jeder
Häftling zum Beispiel neben Suppe nur 300g Brot.
Anlässlich des ersten Parteitag
der SED wurden sie dann freigelassen. Von den 38 Jugendlichen kehrten nur 14 wieder
nach Hause zurück.
Hans-Joachim Mertens
H.-J. Mertens wurde am 05. Mai 1926 in Bretsch/Osterburg geboren.
Er war in der HJ als "Scharfführer" tätig. Kurz nach Kriegsende geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der Mertens im Juni 1945 fliehen konnte.
Danach begann er eine Schlosserlehre bei einer Firma in seiner Heimatstadt.
Nach rund vier Wochen Freiheit wurde der erlernte Bäcker von den Sowjets in seiner Wohnung in Osterburg am 23. Juli 1945 abgeholt. Von dort aus wurde er über Tangermünde und Wessow nach Sachsenhausen im August 1945 deportiert. Dort war Mertens in Baracke 39, Zone 1 untergebracht. In dieser Baracke lebten ca. 120 Mann.
Seine Tätigkeit wähernd der Internierung arbeitete er als Dachdecker unter der Leitung eines Dachdeckermeisters aus Falkensee.
Sein Vater, Wilhelm Mertens, verstarb am 07. Februar 1946 an einer Lungenentzündung im Speziallager Sachsenhausen.
Am 30. Januar 1947 wurde Mertens aus dem SL entlassen, um dann sofort nach Prokopjewsk im Kusnezbecken, Sowjetunion, deportiert zu werden. Dort kam er dann am 04. März des selben Jahres an. Erst am 23. Oktober 1948 bekam Hans-Joachim Mertens sein Entlassungsschein im sibirischen GULAG und fuhr daraufhin nach Hause.
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