Sowjetisches Speziallager № 7

Ein Projekt des Louise Henriette Gymnasiums Oranienburg

Pelzmützentransport

Am 30./31. Januar 2007 jährte sich zum 60. Mal die Abfahrt des größten Transports, der Häftlinge aus den Speziallagern in der sowjetischen Besatzungszone zum Arbeitseinsatz in die Sowjetunion brachte. Mit diesem Transport wurden Ende Januar 1947 mehr als 1.500 Häftlinge der Speziallager Sachsenhausen, Ketschendorf und Jamlitz in sibirische Arbeitslager verschleppt. Die Pelzmützentransporte, erhielten ihren Namen daher, dass nach sowjetischen Angaben mehr als 5.000 aus allen Speziallagern deportierte Häftlinge, vor ihrer Abreise mit Pelzmützen ausgestattet wurden.
Den Auftakt zu den Pelzmützentransporten bildete im Dezember 1946 ein Beschluss des Ministerrates der KpdSU "Zum Abtransport von in Gefängnissen und Lagern inhaftierten Deutschen aus Deutschland". In allen Speziallagern der sowjetischen Besatzungszone erfolgten daraufhin entsprechende Vorbereitungen. Im Speziallager Sachsenhausen wurden über 15.000 Häftlinge auf ihre Arbeitsfähigkeit untersucht. Es zeigte sich, dass durch völlig unzureichende Ernährung nur eine kleine Gruppe als arbeitsfähig eingestuft wurde. Im November 1946 waren die kärglichen Rationen um die Hälfte gekürzt worden und infolge dessen nahmen die täglichen Todeszahlen in erschreckendem Ausmaß zu.
Ende Januar 1947 wurden insgesamt 869 Gefangene des Speziallagers Sachsenhausen mit einem Satz Winterkleidung inklusive Pelzmützen versorgt und den Begleittruppen eines Zuges übergeben. Der Transport verließ am 30. Januar 1947 Oranienburg und fuhr nach Fürstenwalde, wo an den darauf folgenden Tag 662 Häftlinge aus den Speziallagern Ketschendorf und Jamlitz angeschlossen wurden. Zusammen traten sie den langen Weg nach Sibirien an.
Der Transport erreichte Anfang Februar 1947 Brest-Litowsk, wo nochmals eine ärztliche Untersuchung durchgeführt wurde. Eine bislang unbekannte Zahl von kranken und transportunfähigen Häftlingen wurde zurückgeschickt in die Speziallager Buchenwald und Bautzen.
Der Pelzmützentransport war für die Häftlinge geprägt von Kälte, Hunger und vor allem Durst.
Wie viele Häftlinge auf dem Transport starben und wo sie bestattet wurden, ist bis heute ungewiss. Nach fünfwöchiger Fahrt erreichten die geschwächten Häftlinge ihren Bestimmungsort, ein 8.000 Kilometer von der Heimat entferntes Lager unweit der Stadt Prokopjewsk in Sibirien. Die Häftlinge mussten dort vor allem im Kohlebergbau und auf Baustellen arbeiten. Zahlreiche Häftlinge überlebten die Strapazen nicht, viele kamen erst in den 50er Jahren nach Hause.

Quellendokumente

GRAF , f. 9409, op. 1, D. 389, I.60

Streng geheim!

Protokoll

Fünfhundertdrei (503) Deutsche aus dem Spezkontingentes und dreihundertsechundsechzig (366) zu verschiedene Strafen Verurteilte, insgesamt 869 Personen, wurden am 30. Januar 1947 mit einem Transportzug in die UdSSR an die Adresse: Station Usjataja, Tomsker Eisenbahn verbracht und an die Verwaltung des Lagers N 525, Abteilung 13 – des Schachtes Tysegonskij in der Nähe der Stadt Prokopjewsk, Gebiet Kemmerowo übergeben.

Ein Teil der Menschen wurde aus Brest zurückgeschickt, ihre genaue Zahl und ihre Namen sind nicht bekannt.

Alle aus Brest Zurückgeschickten wurden an das Speziallager N 2 in Buchenwald übergeben.

[...]

Leiter der Registriergruppe
des Speziallagers Nr. 7 des MWD der UdSSR

(Baranow)
Unterleutnant

31. Dezember 1947
Stadt Oranienburg

Pressestimmen

60. Jahrestag der Pelzmützentransporte aus den sowjetischen Speziallagern – Schüler treffen in der Gedenkstätte Zeitzeugen

Am 30./31. Januar 2007 jährt sich zum 60. Mal die Abfahrt des größten Transports, der Häftlinge aus den Speziallagern in der sowjetischen Besatzungszone zum Arbeitseinsatz in die Sowjetunion brachte. Mit diesem Transport wurden Ende Januar 1947 mehr als 1.500 Häftlinge der Speziallager Sachsenhausen, Ketschendorf und Jamlitz in sibirische Arbeitslager verschleppt. Die Pelzmützentransporte, mit denen nach sowjetischen Angaben insgesamt mehr als 5.000 Häftlinge aus allen Speziallagern deportiert wurden, erhielten diesen Namen, weil die Häftlinge vor der Abreise Pelzmützen bekamen.
Anlässlich des 60. Jahrestages beschäftigen sich in der Gedenkstätte Sachsenhausen Schüler des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums seit Montag dieser Woche im Rahmen einer Projektwoche mit der Geschichte der Pelzmützentransporte aus dem Speziallager Sachsenhausen. Bisher setzten sie sich mit der Geschichte des Speziallagers und dem Haftalltag auseinander. Außerdem hatten sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Horst Jänichen, der als Jugendlicher im Speziallager Sachsenhausen inhaftiert war. Am morgigen Mittwoch finden Zeitzeugengespräche mit Fritz Schulz und Hans-Joachim Mertens statt, die mit dem Pelzmützentransport vor 60 Jahren nach Sibirien deportiert wurden. Ziel des Projektes ist die Erstellung einer Internetpräsentation.
Den Auftakt zu den Pelzmützentransporten bildete im Dezember 1946 ein Beschluss des Ministerrates der KPdSU ,,Zum Abtransport von in Gefängnissen und Lagern inhaftierten Deutschen aus Deutschland“. In allen Speziallagern der sowjetischen Besatzungszone erfolgten daraufhin entsprechende Vorbereitungen. Im Speziallager Sachsenhausen wurden über 15000 Häftlinge auf ihre Arbeitsfähigkeit untersucht. Es zeigte sich, dass angesichts der völlig unzureichenden Ernährung nur eine kleine Gruppe als arbeitsfähig eingestuft wurde. Im November 1946 waren die kärglichen Rationen um die Hälfte gekürzt worden und infolge dessen nahmen die täglichen Todeszahlen ein erschreckendes Ausmaß an.
Ende Januar 1947 wurden insgesamt 869 Gefangene des Speziallagers Sachsenhausen mit einem Satz Winterkleidung inklusive Pelzmützen versorgt und den Begleittruppen eines Zuges übergeben. Der Transport verließ am 30. Januar 1947 Oranienburg und fuhr nach Fürstenwalde, wo am darauf folgenden Tag 662 Häftlinge aus den Speziallagern Ketschendorf und Jamlitz angeschlossen wurden. Zusammen traten sie den langen Weg nach Sibirien an.
Der Transport erreichte Anfang Februar 1947 Brest-Litowsk, wo nochmals eine ärztliche Untersuchung durchgeführt wurde. Eine bislang unbekannte Zahl von kranken und transportunfähigen Häftlinge wurden zurückgeschickt in die Speziallager Buchenwald und Bautzen.
Der Pelzmützentransport war für die Häftlinge geprägt von Kälte, Hunger und vor allem Durst. Wie viele Häftlinge auf dem Transport starben und wo sie bestattet wurden, ist bis heute ungewiss. Nach fünfwöchiger Fahrt erreichten die geschwächten Häftlinge ihren Bestimmungsort, ein 8000 Kilometer von der Heimat entferntes Lager unweit der Stadt Prokopjewsk in Sibirien. Die Häftlinge mussten dort vor allem im Kohlebergbau und auf den Baustellen arbeiten. Zahlreiche Häftlinge überlebten die Strapazen nicht, viele kamen erst in den 50er Jahren nach Hause.

Märkische Allgemeine vom 02.02.2007